Bauherrenhaftpflichtversicherung

Eine Bauherrenhaftpflichtversicherung schützt den Bauherren vor
Schadenersatzansprüchen Dritter, die diese aufgrund von Schäden stellen,
die ihnen durch die Verletzung der Verkehrssicherungspflicht auf der
Baustelle des Bauherren entstanden sind. Dabei werden sowohl Sach-, als
auch Vermögens- und Personenschäden abgedeckt. Ein Bauherr ist dazu
verpflichtet, seine Baustelle ordnungsgemäß abzusichern. Das bedeutet,
dass es dort bei sachgemäßer Nutzung und Begehung nicht zu Unfällen
kommen darf.
Das schließt nicht nur Schäden auf der Baustelle ab, sondern alle
Schäden, die durch das Bauprojekt entstehen können. So ist es
beispielsweise möglich, dass ein auf der Baustelle eingesetzter Kran
oder Bagger ein parkendes Auto beschädigt. Auch Schäden an geliehenen
Baumaschinen sind abgedeckt, ebenso Schäden an Passanten und spielenden
Kindern.
Das Schild „Eltern haften für ihre Kinder“ wird zwar immer an einem
Bauzaun angebracht, ist jedoch wirkungslos. Verletzt sich ein Kind beim
Spielen auf der Baustelle, kann der Bauherr trotzdem haftbar gemacht
werden. Handelt es sich dabei um eine richtig schlimme Verletzung, kann
das dazu führen, dass der Bauherr nicht nur Schmerzensgeld und
Genesungskosten bezahlen muss, sondern im Zweifel Invalidenrente und
zwar für den Rest seines Lebens. Eine Bauherrenhaftpflichtversicherung
schützt den Bauherren vor derartigen Kosten.

Wer braucht eine Bauherrenhaftpflichtversicherung?

Es ist nicht gesetzlich vorgeschrieben, eine
Bauherrenhaftpflichtversicherung abzuschließen. Tatsächlich ist eine
Bauherrenhaftpflichtversicherung meist sogar Bestandteil einer normalen
Privat- und Betriebshaftpflichtversicherung enthalten, ebenso in der
Haus- und Grundbesitzerhaftpflichtversicherung. Die Höhe der Bausumme,
bis zu der die Versicherung Schäden abdeckt, ist hierbei jedoch meist
relativ gering. Ist die Bausumme höher, als in den anderen
Versicherungen vereinbart, sollte eine zusätzliche
Bauherrenhaftpflichtversicherung abgeschlossen werden.
Üblicherweise wird bei Bauprojekten die Versicherungspflicht auf den
Bauunternehmer oder Bauleiter delegiert. Im Schadensfall haftet dann die
Versicherung dieser Person. Allerdings ist der Bauherr immer noch für
die Überwachung dieser Person verantwortlich. Entsteht ein Schaden, der
durch ordnungsgemäße Überwachung der delegierten Person hätte vermieden
werden können, ist der Bauherr zur Haftung verpflichtet.
Gleiches gilt für eingesetzte Koordinatoren des Bauvorhabens. Ein
Koordinator ist laut Baustellenverordnung zwingend notwendig, wenn
mehrere Unternehmer an dem Bauvorhaben beteiligt sind. Seine Aufgabe ist
es, die Einhaltung von Gefahrgut- und Arbeitsschutzvorschriften zu
überwachen und zu organisieren. Die Verantwortung für die Einsetzung des
Koordinators trägt der Bauherr, wenn er die Aufgabe nicht gleich selbst
übernimmt.

Was deckt eine Bauherrenhaftpflichtversicherung ab?

Eine Bauherrenhaftpflichtversicherung übernimmt die
Schadenersatzansprüche von Dritten gegenüber dem Bauherren, wenn diese
durch das Bauprojekt entstanden sind. Der Versicherungsschutz gilt für
jede Art von Schaden, der dem Geschädigten entstanden ist, sofern er
diesen nicht vorsätzlich hat entstehen lassen.
Der Bauherr hat als Veranlasser der Gefahrenstelle sowohl eine
Verkehrssicherungs-, als auch eine Sorgfaltspflicht zu erfüllen. Das
bedeutet, dass die Baustelle ordnungsgemäß abgesichert ist und auch
abseits des Baugeländes keine Gefahr für Objekte und Personen besteht.
Rutscht ein Passant beispielsweise auf dem Bürgersteig vor der Baustelle
aus, weil dieser durch unterlassene Reinigung verdreckt ist, haftet der
Bauherr. Gleiches gilt, wenn ein Bauarbeiter irgendwelche
Baumaterialien unsachgemäß lagert und sich dadurch jemand verletzt.
Ebenso kann ein Sturm aufziehen und Werkzeuge oder Baumaterialien umher
wirbeln, wodurch parkende Fahrzeuge oder benachbarte Grundstücke
beschädigt werden. Ein herunterfallender Ziegelstein kann eine geliehene
Maschine beschädigen oder ein Bauarbeiter stürzt aufgrund mangelhafter
Absicherung vom Gerüst und verletzt sich schwer. Auch in diesen Fällen
übernimmt die Bauherrenhaftpflichtversicherung die anfallenden
Schadenersatzansprüche.
Eine Bauherrenhaftpflichtversicherung reguliert nicht nur berechtigte
Schadenersatzansprüche, sie schützt den Bauherren auch vor den Kosten,
die unberechtigt geforderte Ansprüche verursachen. In diesem Sinne
agiert die Bauherrenhaftpflichtversicherung als Rechtsschutzversicherung
und übernimmt die Anwalts- und Prozesskosten, die dem Versicherten
durch die Abwehr der Klage entstehen.

Worauf ist bei Abschluss einer Bauherrenhaftpflichtversicherung zu achten?

Bei einer Bauherrenhaftpflichtversicherung kommt es in der Regel auf den
Preis an, da die Versicherungsbedingungen bei den unterschiedlichen
Versicherungen kaum voneinander abweichen. Für den Preis ist die Höhe
der Bausumme entscheidend. Im Regelfall betragen die Kosten für eine
Bauherrenhaftpflichtversicherung ein Promille der Bausumme. Kostet ein
Bauvorhaben also zum Beispiel 750.000 Euro, kostet die Versicherung 750
Euro.
Wie bei jeder Art der Haftpflichtversicherung ist auch hier die Höhe der
Deckungssumme entscheidend. Besonders Personenschäden können schnell
Kosten in Millionenhöhe nach sich ziehen, weshalb die Deckungssumme
mindestens drei oder besser fünf Millionen Euro betragen sollte.
Zusätzlich sollte man prüfen, ob eine Rohbauversicherung oder eine
Bauleistungsversicherung enthalten oder zumindest günstig hinzu buchbar
ist. Mit diesen Versicherungen sichert sich der Bauherr gegen weitere
Schäden am Bau ab. In Kombination mit einer solchen Zusatzversicherung
ist oftmals auch eine Versicherung für Rohbaubrände enthalten.

Wie finde ich eine gute Bauherrenhaftpflichtversicherung?

Eine gute Bauherrenhaftpflichtversicherung findet man durchaus im
Internet. Es gibt zahlreiche Vergleichsportale, die einem nach Eingabe
der Eckdaten des Bauvorhabens mehrere passende Versicherungstarife
anzeigen, die sich dann auch zumeist direkt neben einander vergleichen
lassen, ohne sich durch das Kleingedruckte einer jeden Police quälen zu
müssen.
Es kann aber trotzdem niemals schaden, sich professionell beraten zu
lassen. Bei den Verbraucherzentralen kann man, nach vorheriger
Terminvereinbarung, gegen eine geringe Gebühr ein Gespräch mit einem
unabhängigen Versicherungsexperten führen. Dieser kennt sich mit
entsprechenden Verträgen aus und kann einem das für das Vorhaben
individuell beste Angebot heraussuchen.
Alternativ kann man auch einen Versicherungsberater aus dem
Bundesverband der Versicherungsberater beauftragen. Dieser erhält vom
Bauherrn ein Honorar und arbeitet ebenfalls unabhängig, bezieht also
keine Courtage oder Provision von einem Versicherungsunternehmen,
wodurch eine unabhängige Beratung gewährleistet ist.

Links zu Hilfsangeboten

BVBB Bundesverband der Versicherungsberater e.V.

BdV Bund der Versicherten

Vzbv Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.